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Wikingerzeit auf den FÀröern
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Die Wikingerzeit auf den FĂ€röern dauerte von der Landnahme durch GrĂmur Kamban um 825 bis zum Tode von TrĂłndur Ă GĂžtu, dem letzten WikingerhĂ€uptling auf dem FĂ€röer-Archipel, 1035, und der MachtĂŒbernahme von Leivur Ăssursson im selben Jahr.cite-ref-1[1]
Der gröĂte historische Bruch in dieser Zeit war die Christianisierung der FĂ€röer durch Sigmundur Brestisson ab 999, die das Ende der Wikingerzeit einlĂ€utete und gleichzeitig das Ende der FĂ€röer als freie Siedlerrepublik.cite-ref-2[2]
Zum Leidwesen der Historiker sind sehr viele Quellen aus dieser Zeit bei verschiedenen VerwĂŒstungen von Bibliotheken und Archiven verloren gegangen. Als wichtigste Quelle haben wir daher heute nur noch die FĂ€ringersaga und Aussagen in anderen Quellen von auĂerhalb, die die dortigen ErzĂ€hlungen stĂŒtzen können und eine Datierung erlauben.
Obwohl die in diesem Artikel genannten Jahreszahlen und Ereignisse zwar auf den FĂ€röern allgemein als unstrittig gelten und zum nationalen GrĂŒndungsmythos gehören, sind sie immer mit einem gewissen Vorbehalt zu betrachten, denn die FĂ€ringersaga ist keine Chronik im wirklichen Sinne, sondern ein historischer Roman. Ganz eindeutige Mythen, die völlig unrealistisch erscheinen, werden als solche gekennzeichnet (meist in den weiterfĂŒhrenden Artikel zu einzelnen Episoden der Saga).
Es gab in den letzten Jahrzehnten zahlreiche archĂ€ologische Untersuchungen auf den FĂ€röern, so dass sich unser Bild ĂŒber die damalige Zeit immer mehr verdichtet. Im Historischen Museum der FĂ€röer befinden sich die meisten der archĂ€ologischen Funde aus dieser Zeit.
Contents
âą Landnahme
âą Alltag
âą Hausrat
⹠WertgegenstÀnde
âą Behausungen
⹠SprachdenkmÀler
⹠OpferstÀtten
⹠GrabstÀtten
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Landnahme
Als die FĂ€röer das erste Mal um 795 von den Wikingern besucht wurden, fanden sie Mönche aus Irland vor, die hier ein Einsiedlerdasein fĂŒhrten. Jene wiederum hatten keinerlei Urbevölkerung vorgefunden, die sie hĂ€tten bekehren können, und so zĂŒchteten sie Schafe und pflanzten u. a. Hafer an, der inzwischen eine Datierung ihrer Ankunft auf den Zeitraum um 625 erlaubt.
Erste Landnahmewelle
Es ist nicht völlig geklĂ€rt, ob die oft behauptete Vertreibung der irischen Mönche durch die Wikinger um 795 wirklich stattfand, oder ob sich nur ein Teil von ihnen nach Island aufmachte. Dort jedenfalls galten jene wiederum als erste Siedler. Zu dieser Zeit könnten die FĂ€röer fĂŒr 30 Jahre unbewohnt gewesen sein, da sich damals Skandinavier noch nicht auf den FĂ€röern niederlieĂen.cite-ref-3[3] Folgt man dieser Hypothese, die sich auf den Bericht im Buch Liber de Mensura Orbis TerrĂŠ des irischen Chronisten Dicuil (825) stĂŒtzt, so betrat GrĂmur Kamban um 825 ein Land, in dem es nur die von den Mönchen zurĂŒckgelassenen Schafe und Seevögel gab.
Der Name Kamban selbst deutet auf einen keltischen Ursprung hin. GrĂmur Kamban könnte von den britischen Inseln gekommen sein, wo die Skandinavier bereits ihre Herrschaft errichtet hatten, oder er war ein getaufter Norweger, dem irische Missionare diesen Beinamen gaben. Die ersten Menschen, die um diese Zeit die FĂ€röer besiedelten, waren jedenfalls Leute aus dem umliegenden Herrschaftsbereich der Skandinavier im SĂŒden und Osten â selber meist Skandinavier, aber sicher auch mit keltischen Sklaven und Frauen im GepĂ€ck.cite-ref-4[4]
In jenen Zeitraum fĂ€llt auch die Ankunft des norwegischen Auswanderers Naddoddur auf den FĂ€röern. Er entdeckte der Ăberlieferung zufolge um 850 Island, das er damals Schneeland taufte. Seine (vermutete) Tochter Ann NaddodsdĂłttir ist einer neueren These zufolge die Mutter von Brestir und Beinir, von denen unten noch die Rede sein wird.
Zweite Landnahmewelle
Etwa 880 bis 900 fand die groĂe Einwanderung auf den FĂ€röern statt. Diese Landnahmewelle wird prĂ€zise auf 885â890 eingegrenzt. Es war die Zeit Harald Schönhaars von Norwegen (reg. 870â933). Die FĂ€ringersaga berichtet, dass viele Leute vor seiner Herrschsucht flohen. Damit sind unter anderem Steuerlasten gemeint. Wie schon bei der ersten Landnahme kamen die Einwanderer aus Norwegen und wahrscheinlich auch den von Norwegen kontrollierten Teilen der britischen Inseln.
Dass der ĂŒberwiegende Teil dieser Wikinger auf den FĂ€röern aus Norwegen kam, kann an einer linguistischen Besonderheit festgestellt werden (neben sonstigen Gemeinsamkeiten mit den Dialekten Westnorwegens): Im FĂ€röischen heiĂt Nordosten landnyrðingur (âLandnordâ), SĂŒdosten landsynningur (âLandsĂŒdâ), Nordwesten Ăștnyrðingur (âHinausnordâ) und SĂŒdwesten Ăștsynningur (âHinaussĂŒdâ). Diese Begriffe können nur von Menschen geprĂ€gt sein, die an einer kontinentalen WestkĂŒste leben, wie zum Beispiel in Bergen. Aus fĂ€röischer Perspektive wĂŒrde eine solche Wortschöpfung keinen Sinn ergeben, denn im Nordwesten befindet sich mit Island gleichermaĂen Land wie mit Shetland im SĂŒdosten, wĂ€hrend sich in Nordost und SĂŒdwest die Gestade Spitzbergens bzw. Neufundlands befinden â damals terra incognita (unbekanntes Land). Und: aus fĂ€röischer Sicht ist jede Himmelsrichtung hinaus aufs Meer.
Es wird gesagt, dass sich Menschen von den FĂ€röern und aus Bergen heute noch in ihren jeweiligen lokalen Dialekten ohne groĂe MĂŒhe verstĂ€ndigen können. Die Beziehungen dieser norwegischen Handelsmetropole und spĂ€teren Hansestadt zu den FĂ€röern haben in den Jahrhunderten bis heute immer eine besondere Rolle gespielt. Siehe auch: Monopolhandel ĂŒber die FĂ€röer (Zeitraum 1529â1856)
Erstes Thing
Um 900 hatten die FĂ€ringer bereits ihr Thing auf der nach ihm benannten Halbinsel Tinganes. TĂłrshavn wurde so frĂŒh zum Hauptort der Inseln. Das damalige Thing hieĂ (wie heute noch dasjenige in Island) Althing. Seit etwa 1400 trĂ€gt es seinen heutigen Namen LĂžgting. Es ist eines der Ă€ltesten Parlamente der Welt (siehe dort). Neben dem zentralen Thing gab es lokale ThingstĂ€tten, VĂĄrting genannt.
Auch wenn nicht ganz klar ist, wie die politische Ordnung der FĂ€röer zu dieser Zeit aussah, so ist es nicht ĂŒbertrieben, von einer Republik zu sprechen, denn der König im 500 Kilometer entfernten Norwegen hatte auf dem Archipel zur Wikingerzeit keine Macht, und das Thing war eine Versammlung der freien MĂ€nner vor Ort, also der GroĂbauern. Dort wurde auch die Gerichtsbarkeit ausgeĂŒbt.
Besiedlung und Bevölkerungsentwicklung
Zu diesem Zeitpunkt waren alle Inseln der FĂ€röer bereits bewohnt, mit Ausnahme von LĂtla DĂmun. Daran hat sich bis heute nichts geĂ€ndert. Die Bevölkerungszahl der FĂ€röer nach der zweiten Landnahmewelle betrug vielleicht 3000 Menschen. Diese Zahl blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts nahezu stabil und wuchs nicht ĂŒber 4000. Mehr gab die Landwirtschaft auf diesem sehr begrenzten Areal nicht her.
Die Nachkommen der beiden Landnahmewellen bildeten faktisch die Bevölkerung der nĂ€chsten 450 Jahre. Erst der Schwarze Tod 1349 und 1350 sorgte mit dem Verlust eines Drittels der Bevölkerung fĂŒr dramatische Ănderungen, sodass Platz und Bedarf fĂŒr neue Einwanderer entstand.
Alltag
ErnÀhrung und Erwerb
Die Wikinger auf den FĂ€röern waren ein Bauernvolk. Sie pflanzten Gerste an, die mit aus Norwegen importierten MĂŒhlsteinen aus Schiefer gemahlen wurde. Die wichtigsten Haustiere waren Schafe, und die fĂ€röische Wolle war schon damals ein wichtiges Exportgut. Daneben wurden KĂŒhe gehalten und, im Gegensatz zu heute, sehr viele Schweine. Der Name der Insel SvĂnoy zeugt davon. Als Tierfutter wurde Heu hergestellt. Aus den Pferden der FĂ€röer entwickelte sich im Laufe der Zeit die eigenstĂ€ndige Rasse des FĂ€röerponys, von der heute nur noch wenige Individuen leben.
Der Fischfang und GrindadrĂĄp diente als wichtige NahrungsergĂ€nzung und wurde in KĂŒstennĂ€he in den Fjorden betrieben. Das typisch fĂ€röische Boot zeugt noch heute von dieser Zeit. Es wird nach wie vor im Stile des Wikingerlangboots gebaut.
Die fĂ€röische Vogelwelt bot darĂŒber hinaus Nahrung im Ăberfluss. Die Jagd von Seevögeln war hier weitaus wichtiger als in anderen LĂ€ndern â und ist es noch heute. Von den dutzenden Arten wurden drei bevorzugt bejagt.
Hausrat
Einheimische Keramik gab es nur relativ wenig. Der fĂ€röische Ton hat keine besonders gĂŒnstigen Eigenschaften, und durch den Mangel an BĂ€umen war Brennmaterial stets knapp. Vorherrschend waren GefĂ€Ăe aus Speckstein, die wahrscheinlich aus Norwegen importiert wurden. Speckstein gibt es allerdings auch auf den benachbarten Shetlandinseln, vielleicht stammen sie also von dort. Aus dem heimischen Tuff, einem relativ weichen vulkanischen Gestein, wurden unter anderem Ăllampen geschnitzt. Körbe und dergleichen wurden aus dem einheimischen Wacholder geflochten. Der Wacholder ist auf den FĂ€röern heute beinahe verschwunden, was u. a. auch auf eine KlimaĂ€nderung zurĂŒckzufĂŒhren ist.
WertgegenstÀnde
Metall musste importiert werden. Es wurden Eisen und Bronze verarbeitet. Silber diente als WĂ€hrung, aber spĂ€ter auch schon auslĂ€ndische MĂŒnzen, wie der MĂŒnzfund von Sandur andeutet. Schmuck wurde nicht nur aus den genannten Metallen hergestellt, sondern auch aus Knochen, Perlen und Bernstein. Die Kleidung entsprach wohl derjenigen in Norwegen oder auf den britischen Inseln.
Behausungen
Gewohnt wurde in typischen LanghĂ€usern aus Stein. Sie besaĂen nur einen Raum mit einer Feuerstelle in der Mitte und BĂ€nken an den WĂ€nden. An vielen Orten der FĂ€röer wurden ab 1941 Fundamente solcher HĂ€user ausgegraben, zuerst in KvĂvĂk, spĂ€ter dann auch in FuglafjĂžrður, GĂžta und SandavĂĄgur.
SprachdenkmÀler
Die Sprache der ersten FĂ€ringer war Altnordisch, aus dem die heutige fĂ€röische Sprache hervorging. Es wurde in Runen geschrieben. Drei Runensteine wurden auf den FĂ€röern gefunden: Der KirkjubĂžstein, SandavĂĄgsstein und FĂĄmjinsstein. Letzterer stammt allerdings aus dem 16. Jahrhundert, belegt so also die Verwendung der Runen neben der lateinischen Schrift noch weit in die katholische Zeit hinein. Die fĂ€röischen Sigurdlieder und andere fĂ€röische Balladen stammen sehr wahrscheinlich von alten mĂŒndlichen Ăberlieferungen aus der Wikingerzeit ab.
Nordische Religion
Die Wikinger waren Angehörige der Nordischen Religion. Der mĂ€chtigste ihrer Götter war Thor, und nach ihm ist nicht nur die fĂ€röische Hauptstadt TĂłrshavn (Thors Hafen) benannt, sondern auch HĂłsvĂk (hĂłs- kommt von tĂłrs-, und -vĂk bedeutet Bucht). Entsprechend heiĂt der Donnerstag (Thor ist der Donnergott) auf den FĂ€röern hĂłsdagur beziehungsweise im Dialekt von Suðuroy tĂłsdagur. Sein Symbol ist der Hammer, und der schmĂŒckt heute noch das Wappen der Hauptstadt.cite-ref-5[5]
OpferstÀtten
Ob sich an Orten wie TĂłrshavn und HĂłsvĂk OpferstĂ€tten befanden, weiĂ man nicht. Die FĂ€ringersaga verrĂ€t keine Einzelheiten ĂŒber den praktizierten nordischen Glauben jener Zeit. Es wird angenommen, dass der Opferkult (blĂłt) unter freiem Himmel ausgeĂŒbt wurde. Es gab mit dem hof allerdings auch eine Art Tempel, wie er in Hov vermutet wird.
Es wurden den Göttern in erster Linie Speisen und GetrÀnke geopfert, seltener aber auch Tiere und Menschen.
GrabstÀtten
Besondere Beachtung verdienen die WikingergrĂ€ber auf den FĂ€röern, die RĂŒckschlĂŒsse auf die Beerdigungsriten und den Totenkult erlauben. Die Wikinger bestatteten ihre Toten oberirdisch und richteten die Leichname in Richtung WestsĂŒdwest-Ostnordost aus, mit dem Kopf in jene Richtung zeigend. Die Hinkelsteine von Hov auf Suðuroy (siehe Foto rechts) erinnern an groĂe Persönlichkeiten. Wer im Kampf fiel, erhielt offensichtlich einen aufrechten Stein, und wer friedlich alt wurde, einen liegenden.
1834 wurde auf Initiative des dĂ€nischen Gouverneurs Christian PlĂžyen das Grab des Hohepriesters (blĂłtsmaður mikil) HavgrĂmur in Hov geöffnet. Es war nach PlĂžyens Angaben 24 FuĂ lang und 4 FuĂ breit. Dort wurden EisengegenstĂ€nde und menschliche Knochen gefunden. Angeblich soll auch ein Schleifstein gefunden worden sein. Diese Ausgrabung galt als unprofessionell und inoffiziell. Sie wurde abgebrochen und nicht wieder aufgenommen.
Die erste professionelle Ausgrabung einer GrabstĂ€tte erfolgte 1956 in TjĂžrnuvĂk im Norden Streymoys. 1955 fanden spielende Kinder dort Knochen, die sich als Menschenknochen erwiesen. Im Jahr darauf begannen systematische archĂ€ologische Grabungen, und schnell war klar, dass hier Ăberreste einer Wikingerin gefunden worden waren. Sie war etwa 1,55 m groĂ und, wie damals allgemein ĂŒblich, mit dem Kopf in Richtung Ostnordost bestattet. Bei ihr wurde eine Spange gefunden, die keltisch-schottischer Herkunft war. Der Historiker Sverri Dahl datierte das Grab ins 10. Jahrhundert.
Die britisch geleiteten Ausgrabungen in Sandur 2006 belegen, dass dort bereits um 900 die dritte oder vierte Generation von Wikingern lebte.
Sigmundur und TrĂłndur
Die beiden Protagonisten der FĂ€ringersaga sind Sigmundur Brestisson und TrĂłndur Ă GĂžtu, die jeweils die gegenĂŒberstehenden Lager in einer 65 Jahre anhaltenden Fehde auf den FĂ€röern darstellten. Diese Geschichte beginnt um 970 und bildet den wesentlichen Handlungsstrang der Saga.
Trotz der Vorbehalte hinsichtlich der ObjektivitÀt und Genauigkeit der FÀringersaga, ergibt sich doch folgendes Bild, welches allgemein als die Chronik jener Zeit angenommen wird.
Mord an Brestir und Beinir
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Hauptartikel
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Mord an Brestir und Beinir
Um 969 war die Ausgangslage auf den FĂ€röern wie folgt: Es gab zwei norwegische Lehen, das eine fiel HavgrĂmur von Hov zu, das andere den GebrĂŒdern Brestir und Beinir von SkĂșvoy. Zwischen diesen beiden Parteien gab es offensichtlich schwelende Konflikte, die mit dem Streit zwischen Einar und Eldjarn (der eine Gefolgsmann von Brestir und Beinir, der andere von HavgrĂmur) offen zutage traten. Einen Schlichtungsversuch von Brestir lehne HavgrĂmur ab, und so kam es zum Prozess vor dem Althing auf Tinganes, wo HavgrĂmurs Partei unterlag. Er schwor Rache und suchte UnterstĂŒtzung bei seinem Schwiegervater SnĂŠĂșlvur von Sandoy, doch jener wollte das Spiel nicht mitspielen, im Gegensatz zu TrĂłndur Ă GĂžtu und dessen Onkel SvĂnoyar-Bjarni, die den Plan fassten, zusammen mit HavgrĂmur die BrĂŒder zu töten.
Der Mord an Brestir und Beinir 970 auf StĂłra DĂmun endete nicht nur mit dem Tod der beiden BrĂŒder. Jene schafften es vorher noch, im Kampf HavgrĂmur und fĂŒnf weitere seiner MĂ€nner zu töten. Sigmundur Brestisson war damals 9 Jahre alt, als er den Tod seines Vaters Brestir erleben musste, an dem TrĂłndur Ă GĂžtu zwar nicht aktiv, aber im Hintergrund beteiligt war. TrĂłndur schlug nach der Bluttat vor, Sigmundur und dessen Vetter TĂłri Beinirsson (Beinirs damals 11-jĂ€hrigen Sohn) zu töten, was SvĂnoyar-Bjarni jedoch verweigerte. So gelangten Sigmundur und TĂłri stattdessen unter TrĂłndurs Vormundschaft, der selber keine Kinder hatte und unverheiratet war.
TrĂłndur war damals 25 Jahre alt. Er versuchte, diese beiden Jungen schnell wieder loszuwerden, indem er sie im selben Sommer dem norwegischen HĂ€ndler Ravnur HĂłlmgarðsfari als Sklaven anbot. Der war sich aber des Hintergrundes bewusst und verlangte seinerseits Geld dafĂŒr, sie nach Norwegen zu bringen. Nebenbei bezeugt diese Episode Handelswege der FĂ€röer zu dieser Zeit bis nach Nowgorod im Kiewer Rus. Jedenfalls brachte Ravnur die beiden nach Norwegen und damit in Sicherheit (nicht nur aus TrĂłnds Sicht, der Rache fĂŒr den Mord fĂŒrchten musste).
TrĂłndur nahm noch einen anderen Jungen in seine Obhut: Ăssur HavgrĂmsson, den damals 10-jĂ€hrigen Sohn HavgrĂms (also den möglichen Erben der Gegenpartei Sigmunds und TĂłris). Damit war er Alleinherrscher ĂŒber die FĂ€röer: Sigmundur und TĂłri waren in Norwegen, und Ăssur sein Pflegekind. Die FĂ€ringersaga erzĂ€hlt, dass TrĂłndur ihm, nachdem er herangewachsen war, sowohl das Vermögen von Brestir und Beinir gab, als auch den Teil der FĂ€röer, ĂŒber den sein Vater geherrscht hat. Das könnte ab 980 gewesen sein. Wahrscheinlich war TrĂłndur aber der eigentliche und alleinige Herr auf dem Archipel.
Sigmunds RĂŒckkehr
983 kehrten Sigmundur Brestisson und sein Vetter TĂłri Beinirsson das erste Mal auf die FĂ€röer zurĂŒck. Sie reisten im Auftrage von König HĂ„kon Jarl von Norwegen. Sie wollten ihr geraubtes Eigentum zurĂŒckhaben und waren nun alt genug, um den Tod ihrer VĂ€ter zu rĂ€chen. Der FĂ€ringersaga nach wollte es das Wetter so, dass sie zuerst auf SvĂnoyar-Bjarni trafen, der nichts ahnend zuhause ĂŒberrascht wurde. Bjarni konnte darlegen, dass er es war, der sich 970 fĂŒr das Leben der Jungen eingesetzt habe, und so einigte er sich mit Sigmundur, indem er den Aufenthaltsort von Ăssur HavgrĂmsson auf SkĂșvoy verriet. Sigmundur soll mit 50 von Bjarnis MĂ€nnern dorthin gezogen sein und Ăssur im Zweikampf getötet haben, wohl nachdem jener noch um Gnade und einen Ausgleich ersucht hatte.
Nach diesem Kampf gab es zunĂ€chst einen Waffenstillstand zwischen den beiden Parteien Sigmunds und TrĂłnds. WĂ€hrend TrĂłndur allerdings die Sache vor dem Althing auf Tinganes geklĂ€rt haben wollte, verlangte Sigmundur einen Richterspruch von HĂ„kon Jarl in Norwegen. Um 984 fuhren Sigmundur und TĂłri also erneut nach Norwegen, wo der König festlegte, dass TrĂłndur in allen vier Anklagepunkten â dem Mord an Brestir und Beinir, dem Vorschlag zur anschlieĂenden Tötung von Sigmundur und TĂłri, und der Versklavung der beiden Jungen â schuldig war, und jeweils ein Manngeld an Sigmundur und TĂłri entrichten musste. Weiterhin erlaubte es der König, dass TrĂłndur Ă GĂžtu weiterhin auf den FĂ€röern bleiben durfte, solange er sich der norwegischen Herrschaft fĂŒgte, die ihrerseits durch Sigmundur vertreten werden sollte, der so die gesamten FĂ€röer als Lehen â theoretisch â versprochen bekam.
Auf dem Althing 985 akzeptierte TrĂłndur diese Bedingungen, wenn auch nur widerwillig, und verlangte eine Ratenzahlung ĂŒber drei Jahre. Im selben Jahr nahm TrĂłndur Leivur Ăssurson (den Sohn von Ăssur HavgrĂmsson) zu sich â wohl auch, um dessen Rache an Sigmundur mitzugestalten, indem er nun wiederholt auch Manngeld von Sigmundur fordern sollte.
Wahrscheinlich um 986 holte Sigmundur seine Familie (Frau Turið TorkilsdĂłttir und Tochter TĂłra SigmundsdĂłttir) aus Norwegen auf die FĂ€röer, die dort den Rest ihres Lebens bleiben sollten. Die beiden gelten als die ersten groĂen Frauen in der fĂ€röischen Geschichte.
Christianisierung der FÀröer
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Hauptartikel
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Christianisierung der FÀröer
Nachdem Olav I. Tryggvason 994 zum Christentum konvertiert und 995 König Norwegens geworden war, lud er 997 Sigmundur Brestisson zu sich ein. Die beiden wurden Freunde, Sigmundur lieĂ sich taufen und segelte 998 zurĂŒck auf die FĂ€röer, um dort auf dem Althing auf Tinganes nicht nur zu verkĂŒnden, dass Olav ihn zum Alleinherrscher ĂŒber die FĂ€röer bestimmt habe, sondern auch, dass nun alle Bewohner zum Christentum konvertieren sollten. Dies stieĂ auf gewaltsamen Protest unter der FĂŒhrung von TrĂłndur Ă GĂžtu, sodass Sigmundur sich zunĂ€chst nach SkĂșvoy zurĂŒckziehen musste, bis er 999 TrĂłndur daheim ĂŒberfiel und mit Gewalt zum Christentum zwang. Diese Taufe war allerdings eher formell und machtpolitisch zu verstehen, und in der Folge bereitete TrĂłndur den Mord an Sigmundur Brestisson vor, der 1005 stattfand.
Literatur
âą George V. Young: From the Vikings to the Reformation. A Chronicle of the Faroe Islands up to 1538. Shearwater Press, Isle of Man 1979, ISBN 0-904980-20-0.
âą George V. Young: FĂŠrĂžerne. Fra vikingetiden til reformationen (âFrom the Vikings to the Reformationâ). Rosenkilde og Bakker, Kopenhagen 1982 (dĂ€nische Ăbersetzung, Grundlage dieses Artikels)
âą Lutz Mohr: Aus der Geschichte der FĂ€röer. AufsĂ€tze eines nordischen Vereinsfreundes aus Vorpommern I. Doberlug-Kirchhain/Greifswald: PC-Druck GĂŒnter Krieg 2004, 6 Kap., Quellen, Literatur, Anm., keine Seitenzahl, (52 S.)
âą Klaus R. Schroeter: Entstehung einer Gesellschaft. Fehde und BĂŒndnis bei den Wikingern. Reimer, Berlin 1994, ISBN 3-496-02543-3 (zugl. Dissertation, UniversitĂ€t Kiel 1993).
Weblinks
âą Tjatsi.fo â FĂ€röische Sagen, Mythen und Legenden (Memento vom 17. April 2012 im Internet Archive) (sehr umfangreich, das Meiste auf Englisch, vieles auch auf Deutsch, beispielsweise eine Zusammenfassung der FĂ€ringersaga usw.)
âą FĂ€röische Briefmarken â Landnahme (Memento vom 25. Mai 2011 im Internet Archive) (deutscher Beschreibungstext zur Briefmarkenausgabe des Postverk FĂžroya vom 14. MĂ€rz 1982)
âą FĂ€röische Briefmarken â Wikinger-Kinderspielzeug (deutscher Beschreibungstext zur Briefmarkenausgabe des Postverk FĂžroya vom 10. April 1989 â KĂŒnstler: BĂĄrður JĂĄkupsson)
âą FĂ€röische Briefmarken â Wikinger als Atlantikseefahrer (deutscher Beschreibungstext zur Briefmarkenausgabe des Postverk FĂžroya vom 11. Februar 2002)
âą FĂ€röische Briefmarken â Der Alltag der Wikinger (deutscher Beschreibungstext zur Briefmarkenausgabe des Postverk FĂžroya vom 7. Februar 2005)
Einzelnachweise
cite-note-11. â S. V. Arge, G. SveinbjarnardĂłttir, K. J. Edwards u. a.: Viking and Medieval Settlement in the Faroes: People, Place and Environment. In: Hum Ecol. Band 33, 2005, S. 597â620. doi:10.1007/s10745-005-4745-1
cite-note-22. â Christianisierung der FĂ€röer
cite-note-33. â S. V. Arge: The LandnĂĄm in the Faroes. In: Arctic Anthropology. Band 28, Nr. 2, 1991, S. 101â120. UniversitĂ€t von Wisconsin Press. https://www.jstor.org/stable/40316279
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cite-note-55. â Kai Merten (Hrsg.): FĂ€röische Religionsgeschichte: Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. (= Nordic studies in religion and culture. Band 4). Lit, 2017, ISBN 978-3-643-13580-3.